Geschichte der Hypnose

Hypnose wurde schon vor vielen Jahrtausenden in Form von rituellen, kultischen, meditativen und religiösen Handlungen von Schamamen, Priestern und Heilern benutzt, um Trancezustände und zur Selbst- und Fremdbeeinflussung hervorzurufen. Bei Naturvölkern war Hypnose ebenso bekannt wie im alten Ägypten oder im antiken Griechenland.

Die Entdeckung der Hypnose in der Neuzeit wird mit deutschen Arzt Franz Anton Mesmer in Verbindung gebracht. Daher wird Hypnotisieren manchmal mit dem Begriff Mesmerisieren gleich gesetzt. Mesmer praktizierte um 1770 eine Methode, mit der er durch Auflegen von Magneten auf erkrankte Körperstellen erstaunliche Heilerfolge erziehlte. Später benutzte er nur noch seine Hände, die er über den Körper der Patienten strich. Seine Heilungen schrieb er einer kosmischen Kraft zu, die er universelles Fluidumoder Magnetismus animalis nannte. Durch seine Methode sollte die ungünstige Verteilung dieses Magnetismus im menschlichen Körper aufgelöst werden, die er als Ursache für die Krankheiten seiner Patienten ansah.

Etwa um die selbe Zeit praktizierte im Allgäu der Pater Johannn Joseph Gaßner. Dieser machte durch Heilungen mit spektakulären Teufelsaustreibungen von sich reden. Aufgrund der erst wenige Jahre zurückliegenden letzten Hexenverbrennungen war Gaßner den Aufklärern der Bayrischen Akademie der Wissenschaften ein Dorn im Auge.

Mesmer stellte 1775 seine Theorie, die er auf Gesetzmäßigkeiten der Natur aufbaute, gegen die mittelalterlichen Dämonologie Gaßners und entschied den Streit zwischen Aufklärung und christlich-mittelalterlichem Aberglauben.

Dennoch stießen auch Mesmers Theorien vielfach auf Skepsis und er wird ebenfalls der Scharlatanerie beschuldigt. Erste Stimmmen wurden laut, die Behaupteten, die Heilerfolge Gassners und Mesmers wären auf Einbildungskraft zurückzuführen.

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts machte ein Schüler Mesmers, der Marquis de Pyuségur, bei seinen Behandlungsversuchen Beobachtungen, die sich nicht mit den beim Magnetisieren beobachteten Phänomenen Messerms deckten. Pyuségur berichtete von einem Bauern, der nach dem Magnetisieren keineswegs die hysterische Verhaltensweise zeigte, die er von Patienten Mesmers her kannte. Vielmehr blieb dieser ruhig und überlegt. In diesem traumwandlerischen, somnabulen Zustand glaubte der Bauer, er könne in seinen eigenen Körper und in den anderer Menschen sehen und dort Krankheiten diagnostizieren und die nötigen Heilmittel verordnen.

In den folgenden Jahren folgte ein Teil der Ärzte und Heilern den naturwissenschaftlich anmutenden Theorien Mesmers, andere waren den sprituellen Erklärungsversuchen des „Somnabulismus“ zugetan, die dem Wirken der „Somnabulen“ einer göttlichen Kraft zuschrieben.

Nachdem sich der portugisische Wanderprediger José Custódio de Faria (1755-1819) in Indien mit Trancephänomenen beschäftigt hatte, sorgte er in Paris für Aufsehen. Er hypnotisierte seine Versuchspersonen, indem er sie scharf ansah und ihnen plötzlich befahl „Schlafe!“ de Fariam war entgegen Mesmers Lehre der Meinung, dass nicht ein magnetisches Fluidum ausschlaggebend für das Hervorrufen des Trancezustands war, sondern gezielte Suggestion. Den Zustand der Hypnose bezeichnete er als Concentration.

Der Begriff Hypnose stammt von dem schottische Chirurgen James Braid (1795-1860). Angeregt durch das Erlebnis einer öffentlichen Demonstration des Laienmagnetiseurs Lafontaine fand Braid heraus, dass sich durch Konzentration auf einen einzigen Gedanken und die Fixierung des Blickes auf einen beliebigen Gegenstand ein schlafähnlicher Zustand herstellen lässt. Dies war der Grundstein für ein neues Verständnis von Hypnose: Weg von einer von außen kommenden Kraft und hin zu einem psychologischen Erklärungsmodell. Braid nutzte Hypnose vor allem bei Operationen zur Schmerzstillung.

Inspiriert durch ein Buch Braids begann der Landarzt Ambroise Auguste Liébeault in der Nähe der französischen Stadt Nancy Hypnose auch bei organischen Störungen einzusetzen. Zu dieser Zeit (um 1895) war der Neurologe Hippolyte Bernheim Professor am Medizinischen Institut von Nancy. Er wurde auf Liébeault aufmerksam, als dieser einen Patienten Bernheims mit Hypnose erfolgreich gegen Ischiasschmerzen behandelte. Zunächst war es Bernheims Absicht, den Landarzt als Scharlatan überführen, war dann jedoch von der Hypnose fasziniert. Es entstand eine Zusammenarbeit der beiden Ärzte und sie gründeten die Hypnoseschule von Nancy.

Ein bekannter Vertreter der Schule von Nancy war Émile Coué. Als Apotheker stellte er fest, dass positive Formulierungen und Aufmunterungen wie „Mit diesem Medikament werden Sie sicher ganz schnell gesund“ einen entscheidenden Einfluss auf die Heilung hatten. Er regte seine Patienten an, Autosuggestionen wie „Es geht mir mit jedem Tag in jeder Hinsicht immer besser und besser“ vor dem Schlafengehen laut vor sich hin zu murmeln.

Mit der Schule von Nancy lieferte sich die Schule von Salpêtrière (Paris) heftige theoretische Auseinandersetzungen. Dort lehrte und forschte der Psychater Jean-Martin Charcot. Charcot genoss einen ausgezeichneten Ruf und leistete bedeutende Arbeit auf dem Gebiet der Neurologie. Charcot suchte eine organische Ursache für Hysterie und experimentierte in diesem Zusammenhang auch mit Hypnose. Er kam zu dem Schluss, dass Hypnose eine künstliche hervorgerufene Hysterie sei. Seine Patienten waren überwiegend junge Frauen, die der pathetische und herrische Oberarzt durch seine „Schreckhypnose“ vor seinem staunenden Fachpublikum in Trance versetzte. Auch der junge Sigmund Freud gehörte zu den Bewunderern Charcots.

Sigmund Freud besuchte Charcot 1895 bis 1896. Freud übersetze auch ein Buch von Bernheim und versuchte Hypnose bei seinen eigenen Patienten anzuwenden. Es ist nicht klar, warum er damit wenig Erfolg hatte und die Hypnose wieder fallen lies, auch wenn es darüber einige Spekulationen gibt. Sicher ist, dass er in Abkehr zur Hypnose seine eigene Technik der freien Assoziation entwickelte. Durch die Bekanntheit und den Einfluss Freuds auf die Psychotherapie im deutschsprachigen Raum verlor Hypnose als therapeutische Technik an Bedeutung verlor.

So ist es nicht verwunderlich, dass der deutsche Psychater Johannes Heinrich Schultz 1932 seine formelhafte Methode zur Selbsthypnose Autogenes Training nannte und sie, um nicht in schlechten Ruf zu geraten, damit begrifflich von Hypnose abgrenzte.

Der bedeutendste Vertreter des 20. Jahrhunderts und Vater der modernen, nicht-direktiven Hypnosetherapie war der amerikanische Arzt und Psychiater Milton Erickson (1901 – 1980). Sein verdienst ist es, dass Hypnose in der Psychotherapie wieder Anerkennung fand. Im Alter von 18 Jahren erkrankte Erickson an Kinderlähmung. Er lag mehrere Tage im Koma und war anschließend vollkommen bewegungsunfähig. Allein durch den Wunsch und seine Vorstellungskraft, sich wieder zu Bewegen, gelang es ihm, seine Muskeln nach und nach wieder zu aktivieren, so dass er wieder gehen konnte.
Erickson beschäftigte sich während seines folgenden Studiums mit Hypnose und entwickelte einen Ansatz, der im Gegensatz zu den standartisierten und autoritären Techniken die Individualität jedes Menschen betont und jede Reaktion des Patienten zur Tranceeinleitung und für Veränderungsprozesse nutzt.

Heute findet Hypnose auch den Praxen vieler deutscher Psychotherapeuten, Ärzte und Heilpraktiker wieder Anwendung (u.a. in meiner Praxis in Eckental bei Nürnberg).
Seit einem Gutachten des wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie von 2006 gilt Hypnosetherapie in Deutschland als anerkannt. Dieser Beirat besteht u.a. aus Ärzten der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatischen Medizin sowie Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und kann als die höchste Instanz in Deutschland für die Anerkennung psychotherapeutischer Verfahren angesehen werden. Von den gesetzlichen Krankenkassen wird Hypnosetherapie dennoch nicht bezahlt.